Nachbericht
Am 10. März 2026 fand in der Alten Fabrik ein informativer Abend zum Thema Biotopverbund im Bodenseekreis statt. Im Namen des Arbeitskreises konnte Frau Dr. Krumscheid-Plankert dazu die beiden Referenten Meike Hechinger vom Landratsamt Bodenseekreis und Thomas Ueber, Biotopverbundbotschafter beim Landschaftserhaltungsverband Bodenseekreis e.V. begrüßen. Aufbauend auf einen Vortrag aus dem Vorjahr, der den Stand und die Umsetzung des Biotopverbunds im Bodenseekreis beleuchtete, standen diesmal die Ergebnisse der inzwischen abgeschlossenen Biotopverbundplanung im Gemeindeverwaltungsverband (GVV) Meersburg im Mittelpunkt.
Im ersten Teil der Veranstaltung berichtete Thomas Ueber, dass die vom Büro 365° aus Überlingen erarbeitete Planung Ende 2025 fertiggestellt und kürzlich an die beteiligten Gemeinden Uhldingen-Mühlhofen, Meersburg, Daisendorf, Stetten und Hagnau übergeben wurde. Damit liegt erstmals ein umfassendes und aktuelles Konzept vor, das als Grundlage für konkrete Maßnahmen zur Förderung der biologischen Vielfalt in der Region dient.
Das Projekt begann im April 2021 zunächst in Daisendorf und wurde bereits einen Monat später auf den gesamten Gemeindeverwaltungsverband ausgeweitet. Nach einem offiziellen „Kick-Off“ zwischen Planungsbüro, Gemeinden und LEV im Februar 2022 folgten verschiedene Planungs- und Abstimmungsschritte. Zunächst wurde eine Behördenbeteiligung im April 2022 durchgeführt, bevor die eigentliche Planungsarbeit begann. Nach der Erstellung wurden die Pläne mit der Unteren Naturschutzbehörde und weiteren Fachbehörden abgestimmt und auf eine separaten Informationsveranstaltung für Landwirte im Oktober 2024 sowie einer breiten Öffentlichkeitsbeteiligung im März 2025 vorgestellt.
Thomas Ueber verdeutlichte in seinem Vortrag auch, warum eine Aktualisierung der bisherigen Planungsgrundlagen dringend notwendig war. Die bisherige Biotopverbundkulisse basierte auf teils veralteten Daten aus dem Jahr 1995, war rein bestandsorientiert und wurde ausschließlich am Computer erstellt. Zudem war die Datengrundlage teilweise unvollständig oder fehlerhaft. Lokale Besonderheiten konnten außerdem nicht berücksichtigt werden.
Die neue Planung setzt hier an und folgt einem mehrstufigen, deutlich differenzierteren Ansatz. Zunächst wurde ein aktueller Bestandsplan erstellt, der auf umfangreicher Datenrecherche, der Definition von Zielarten sowie der Integration neuer Biotopkartierungen basiert. Ergänzend wurden zahlreiche Flächen vor Ort überprüft und faunistische Kartierungen durchgeführt, um bekannte Artvorkommen zu berücksichtigen. Darauf aufbauend konnten Schwerpunktbereiche und Verbundachsen identifiziert werden, die für den Austausch von Arten und die Vernetzung von Lebensräumen besonders wichtig sind.
Ein zentrales Element der Planung ist das umfassende Maßnahmenkonzept. Insgesamt wurden 1.471 Maßnahmenvorschläge für das gesamte Gebiet des GVV Meersburg entwickelt, davon allein 604 für Uhldingen-Mühlhofen. Viele dieser Maßnahmen sind flurstücksbezogen ausgearbeitet und orientieren sich an den Lebensraumansprüchen ausgewählter Tier- und Pflanzenarten. Ergänzt werden sie durch jeweils zehn detaillierte Maßnahmensteckbriefe pro Gemeinde sowie einen ausführlichen Projektbericht.
Meike Hechinger stellte in ihrem Beitrag die Bedeutung des Biotopverbunds vor dem Hintergrund der Biodiversitätskrise heraus. Angesichts des fortschreitenden Biodiversitätsverlusts – rund 40 Prozent der heimischen Tier- und Pflanzenarten gelten inzwischen als gefährdet – sei es entscheidend, Lebensräume nicht nur zu schützen, sondern auch miteinander zu vernetzen. Ursachen für den Rückgang der Artenvielfalt sind unter anderem der Verlust und die Zerschneidung von Lebensräumen, intensive landwirtschaftliche Nutzung, Siedlungsentwicklung sowie die Auswirkungen der Klimakrise. Anhand einer wissenschaftlichen Studie lässt sich zeigen, dass im Austausch stehende Metapopulationen deutlich stabiler sind als einzelne, isolierte Populationen.
Die Umsetzung der Maßnahmen erfolgt auf freiwilliger Basis und wird von Meike Hechinger begleitet. Sie fungiert als Ansprechpartnerin für Flächeneigentümer und Bewirtschafter, die Interesse an einer Mitwirkung haben oder entsprechende Flächen zur Verfügung stellen möchten. Die Flächenakquise erfordert dabei oftmals Geduld und Überzeugungsarbeit. Für die konkrete Umsetzung stehen jedoch verschiedene Fördermöglichkeiten zur Verfügung, darunter Mittel aus der Landschaftspflegerichtlinie (LPR), dem Agrar-Förderprogramm FAKT, Stiftungsgelder sowie Ausgleichs- und Ökokontomaßnahmen.
Abschließend stellte Meike Hechinger einige der für Uhldingen-Mühlhofen entwickelten Maßnahmensteckbriefe vor, die im Vergleich zu den Kartendarstellungen noch detailliertere Informationen enthalten. Besonders erfreulich ist, dass bereits erste Schritte in die Umsetzung erfolgt sind: Im Gewann „Schwarzwies“ an der Gemarkungsgrenze zu Überlingen-Nußdorf wird derzeit ein Beweidungskonzept zur Erweiterung der Konstantinhalde umgesetzt. Dieses Projekt wird auf Initiative des Landschaftspflegevereins Nußdorf e.V. in Kooperation mit der Markgräflich Badischen Verwaltung und der Heinz Sielmann Stiftung realisiert. Ziel ist es, einen Biotopverbund für feuchte und mittlere Standorte zu schaffen und damit unter anderem Lebensräume für verschiedene Zielarten wie Schmetterlinge, Heuschrecken und Vögel zu verbessern.
Der Vortrag machte deutlich, dass mit der abgeschlossenen Planung eine wichtige Grundlage für den Schutz und die Förderung der Biodiversität im Raum des GVV Meersburg geschaffen wurde. Nun kommt es darauf an, die vorgeschlagenen Maßnahmen Schritt für Schritt umzusetzen. Interessierte Flächeneigentümer und Bewirtschafter sind herzlich eingeladen, sich bei Meike Hechinger (meike.hechinger@bodenseekreis.de) zu melden und aktiv an der Gestaltung eines vernetzten und artenreichen Lebensraums mitzuwirken.

Die Referenten beantworteten schließlich noch zahlreiche Fragen und am Ende bedankte sich Frau Dr. Krumscheid-Plankert im Namen aller Anwesenden für den fachkundigen und spannenden Vortrag mit einem kleinen Präsent. Wie immer klang der Abend im „Cafe Berlin“ in der Alten Fabrik im angeregten Gespräch der Besucher aus.
Die Vorträge des Abends können hier heruntergeladen werden:
Antworten