Der Arbeitskreis Energie und Umwelt lud am 12. Mai 2026 zu einem Vortrag ein mit einem thematischen Schwerpunkt, der sowohl den Artenschutz als auch die Vernetzung von Lebensräumen umspannte: Die Referentin Dr. Priska Krumscheid-Plankert, Mitglied der ersten Stunde im Arbeitskreis, begrüßte zahlreiche interessierte Bürger, dieses Mal ausnahmsweise in den neuen Räumen des Bürgertreffs in der Aachstraße, zum Thema „Fledermäuse im Fokus – Die großen Mausohren in Uhldingen-Mühlhofen“.
Die Biologie der Fledermäuse
Zunächst führte die Referentin in die Biologie der Fledermäuse ein. Sie sind Säugetiere wie wir und fliegen mit den Händen, weshalb sie zur Ordnung der Chiroptera = Handflügler gehören, in der auch Flughunde und Flugfüchse geführt werden. Ihre für uns Menschen oft geheimnisvolle nachtaktive Lebensweise, der typische Lebenszyklus im Jahresgang und ihr Schutzstatus wurden vorgestellt. Alle 25 einheimischen Fledermausarten (von 1400 weltweit) sind streng geschützt und stehen auf der Roten Liste.
Die Wochenstube
Die größte einheimische Fledermausart, das Große Mausohr, mit über 40cm Flügelspannweite, stand dann im Mittelpunkt des weiteren Vortrags. Priska Krumscheid-Plankert betreut seit fast 30 Jahren zusammen mit Aktiven der BUND-Ortsgruppe die Wochenstube der Großen Mausohr-Weibchen in der katholischen Kapelle St. Wolfgang. Uhldingen-Mühlhofen beherbergt gegenüber vom Rathaus im Dachstuhl der Kapelle, die 1711 unter dem Salemer Abt Stephan I. erbaut wurde, seit langer Zeit ein bedeutendes Wochenstuben-Quartier. Fledermaus-Großmütter, Mütter, Töchter und Tanten beziehen jedes Jahr im März/April zu Hunderten den Dachstuhl, um hier gemeinsam ihren Nachwuchs aufzuziehen. Eine Mausohr-Mutter bringt in der Regel ein einziges Junges pro Saison zur Welt, säugt es mit Milch, bis es nach etwa acht Wochen zum flugfähigen Jung-Mausohr herangewachsen ist. Dann wird die Wochenstube nach und nach wieder verlassen.
Die mannigfaltigen Einflüsse auf und die Gefahren für das Quartier wurden vorgestellt und erläutert. Mit das größte Problem ist inzwischen die Abwehr von ganzen Trupps von verwilderten Stadttauben. Im Jahr 2011 brachen die Individuenzahlen der Wochenstube dramatisch ein, bedingt durch das erstmalige Eindringen von Tauben in den Dachstuhl, was zum Tod von mindestens 150 Weibchen führte. Zahlreiche weitere Veränderungen rund um das Quartier in den letzten gut 20 Jahren kamen hinzu.
Zum Lebensraum der Mausohren gehören zwingend Jagdgebiete in naturnahen Wäldern in bis zu 20 Kilometern Entfernung, wo die Tiere allnächtlich nach Laufkäfern am Waldboden jagen. Kolonien sind deshalb immer in Gebieten mit hohem Waldanteil. Benötigt werden Laub- oder Laubmischwaldwälder mit geringem Anteil an Bodenvegetation, was den Mausohren die bodennahe Jagd auf raschelnde Käfer, Asseln oder Spinnen erlaubt.
Das Winterquartier
Die Mausohren brauchen noch einen weiteren Quartierstyp in der Landschaft um die Wochenstube: Überwinterungsquartiere in Höhlen, Stollen oder Kellern, in denen die Fledertiere fast 5 Monate lang ungestört ihren Winterschlaf verbringen können, bis ihre Insektennahrung wieder zur Verfügung steht. Deshalb wurden zum Schluss die Felsenkeller in Unteruhldingen beleuchtet. Die 32 Keller, die schon vor ca. 150 Jahren von Unteruhldinger Familien in die Molasse gegraben worden waren, liegen am Anfang der Bergstraße und des Waldwegs. Sie sind als potentielle Winterquartiere für das Große Mausohr, aber auch die Bechsteinfledermaus, als Teil des FFH (Flora-Fauna-Habitat)-Gebiets „Überlinger See und Bodenseeufer“ europarechtlich geschützt. Die Entstehungsgeschichte der Keller, historische Hintergründe und das Problemfeld Erbpacht wurden diskutiert.

Der Vortrag ist mit vielen Bildern gespickt und steht hier zum Download zur Verfügung. Nachträglich kann auch ein toller Fledermausfilm über eine Verlinkung angeschaut werden.
Wie immer kam es am Schluss noch zu einer lebhaften Diskussion, in der verschiedene Aspekte angesprochen wurden.
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